Vaudoise Versicherungen

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Vaudoise Versicherungen ist vor allem für Auto- und Hausratversicherungen bekannt, betreibt aber unter "Vorsorge & Hypothek" auch ein eigenes Hypothekengeschäft, und zwar auf eine Art, die in dieser Branche selten ist. Auf der Seite steht der komplette Festzinsraster offen da, Laufzeit für Laufzeit, ohne Login und ohne dass man zuerst eine Offerte anfordern muss.

Der Festzinsraster im Detail

Wer nachrechnen will, findet auf der Seite selbst eine Tabelle mit Stand vom 01.09.2026: Festhypothek 3 Jahre ab 1,24 %, 4 Jahre ab 1,31 %, 5 Jahre ab 1,37 %, 6 Jahre ab 1,43 %, 7 Jahre ab 1,48 %, 8 Jahre ab 1,53 %, 9 Jahre ab 1,58 %, 10 Jahre ab 1,63 %, 11 Jahre ab 1,66 %, 12 Jahre ab 1,71 %, 13 Jahre ab 1,74 %, 14 Jahre ab 1,77 % und 15 Jahre ab 1,80 %. Die Vaudoise schreibt dazu selbst, ihre Zinssätze gehörten zu den niedrigsten im Markt, mit dem gleichen Satz für die erste und die zweite Hypothek. Das ist bemerkenswert, weil viele Anbieter die zweite Hypothek, den Teil oberhalb der ersten Belehnungsstufe, teurer bepreisen als die erste. Die Vaudoise verzichtet auf diesen Aufschlag. Wer eine Hypothek zu einem variablen statt einem festen Zinssatz sucht, findet auf der Seite ebenfalls diese Option, allerdings ohne einen konkret genannten Zinssatz dafür.

Bis zu 18 Monate im Voraus fixieren

Ein zweiter konkreter Vorteil betrifft den Zeitpunkt der Fixierung. Die Vaudoise erlaubt es, den Zinssatz für eine Festhypothek bis zu 18 Monate vor Beginn der Zahlungen festzulegen, kombiniert mit der oben genannten Laufzeitspanne von 3 bis 15 Jahren. Für jemanden, der ein Bauprojekt plant oder eine auslaufende Hypothek bei einer anderen Bank rechtzeitig ablösen will, heisst das: Der Zins lässt sich schon weit vor dem tatsächlichen Geldfluss gegen einen Zinsanstieg absichern, ohne auf den exakten Auszahlungstermin warten zu müssen. Dazu kommt, dass die Vaudoise die Gebühren für die Dossieröffnung selbst übernimmt. Auf der Seite steht ausdrücklich, es fallen keine Dossiereröffnungskosten an. Wer die Konditionen schriftlich nachlesen will, findet auf derselben Seite zusätzlich eine PDF-Broschüre zum Hypothekendarlehen zum Herunterladen, statt nur die Kurzfassung auf der Webseite selbst.

Finanzierung, Amortisation und Gebäudeversicherung als ein Paket

Der dritte Baustein ist das eigentliche Geschäftsmodell hinter dem Angebot. Die Vaudoise beschreibt sich selbst als Partner, bei dem man alles aus einer Hand bekommt: die Finanzierung, die indirekte Amortisation und eine Versicherung für das eigene Wohneigentum. Konkret bietet die Gesellschaft neben der direkten Amortisation, bei der die Hypothekarschuld laufend sinkt, die indirekte Amortisation an. Dabei bleibt die Hypothek in ihrer Höhe unverändert, und man zahlt stattdessen in eine der eigenen, steuerlich absetzbaren Vorsorgelösungen ein, also in eine Lebensversicherung, die die Schuld am Ende der Laufzeit ablöst. Der Vorteil liegt im laufenden Steuerabzug, der Kompromiss ist eine gewisse Bindung an das eigene Vorsorgeprodukt der Vaudoise. Zur Hypothek lässt sich zusätzlich eine Gebäudeversicherung für das finanzierte Objekt abschliessen, sodass ein Ansprechpartner den ganzen Vorgang begleitet, von der Finanzierungszusage bis zur Versicherung des fertigen Hauses.

Für Kauf, Ablösung und Baukredit-Konsolidierung

Die Vaudoise deckt 3 unterschiedliche Situationen ab und trennt sie auf der Seite auch inhaltlich. Für den Kauf von Wohneigentum nennt sie ausdrücklich 3 Objektarten: das Einfamilienhaus, die Eigentumswohnung im Stockwerkeigentum und das ganze Wohngebäude. Für alle, deren bestehende Hypothek bei einer anderen Bank demnächst ausläuft, gibt es die eigene Rubrik zur Ablösung eines Hypothekendarlehens: Man wechselt zur Vaudoise und übernimmt die dort genannten Konditionen, ohne dass der Wechsel an einen Neubau oder Neukauf gebunden wäre. Und für alle, die gerade bauen, gibt es die Konsolidierung des Baukredits. Sobald das Bauprojekt abgeschlossen ist, wandelt die Vaudoise den bisherigen Baukredit in eine reguläre Hypothek um, zu den gleichen Konditionen wie oben beschrieben. Damit deckt sie die 3 klassischen Situationen ab, in denen jemand eine neue Hypothek sucht, nicht nur den Neukauf einer bereits bestehenden Immobilie.

Wer hinter dem Angebot steht

Die Vaudoise ist in erster Linie ein Versicherer und kein reiner Hypothekenanbieter, und das prägt, wie man sie in Anspruch nimmt: über die eigene Agentur vor Ort statt über einen reinen Online-Abschluss. Die Unternehmenswebsite nennt für die gesamte Gruppe ein Netz von 118 Agenturen in der Schweiz, über das Kundinnen und Kunden persönlich beraten werden, nicht nur zur Hypothek, sondern zum gesamten Versicherungs- und Vorsorgeangebot. Gesellschaftsrechtlich gliedert sich die Gruppe, wie die eigene Navigation zu Investor Relations zeigt, in die Mutuelle Vaudoise, eine Genossenschaft, neben der die Vaudoise Versicherungen Holding als eigene Gesellschaft geführt wird. Zur Hypothek selbst schreibt die Vaudoise, sie zähle zu den grossen Immobilieninvestoren in der Schweiz, was zumindest erklärt, weshalb ein Versicherungskonzern in diesem Markt überhaupt mitspielt: Er legt einen Teil der eigenen Kapitalanlagen direkt in Immobilien und Hypotheken an. Unter der eigenen Überschrift zur persönlichen Beratung stellt die Vaudoise selbst die Fragen, die eine solche Beratung klären soll: Festhypothek oder variabler Zinssatz, direkte oder indirekte Amortisation. Welche Kombination sich lohnt, hängt vom Einzelfall ab, und genau dafür sieht die Gesellschaft ihre eigenen Spezialistinnen und Spezialisten vor, statt die Wahl allein der Kundschaft zu überlassen.

Was die Seite nicht sagt

Was auf der Seite fehlt, ist eine konkrete Zahl zur Tragbarkeit oder zur maximalen Belehnung. Weder ein Belehnungssatz noch eine Einkommensschwelle oder eine geforderte Eigenkapitalquote werden genannt. Wer das wissen will, muss über den Button für eine Offerte eine persönliche Berechnung anfordern. Immerhin bietet die Seite einen eigenen Finanzrechner an, mit dem sich anhand des Jahreseinkommens grob abschätzen lässt, wie teuer ein Objekt sein darf, aber auch dieser ersetzt keine verbindliche Tragbarkeitsrechnung. Ebenso wenig veröffentlicht die Vaudoise einen Zinssatz für die variable Hypothek, obwohl sie diese Option anbietet, und die genaue Höhe der Steuerersparnis bei der indirekten Amortisation hängt vom gewählten Vorsorgeprodukt ab und wird auf dieser Seite nicht beziffert. Auch die genannten Festhypothek-Sätze sind mit dem Zusatz "ab" ausgezeichnet: Sie markieren den tiefsten Satz der jeweiligen Laufzeit, nicht zwingend den Satz, den jede Antragstellerin oder jeder Antragsteller am Ende der Prüfung erhält.

Für wen sich die Vaudoise eignet

Am besten passt die Vaudoise zu Käuferinnen und Käufern, die ohnehin offen für eine Beratung sind, die über die reine Finanzierung hinausgeht, etwa weil eine private Vorsorgelösung, eine Lebensversicherung zur indirekten Amortisation oder eine neue Gebäudeversicherung ohnehin ansteht. Wer ausschliesslich einen möglichst günstigen, isolierten Hypothekarkredit ohne weitere Kundenbeziehung sucht, findet im offenen Zinsraster trotzdem einen guten Vergleichswert. Wer dagegen ohnehin einen Ansprechpartner für Finanzierung, Vorsorge und Gebäudeversicherung in einer Hand sucht, findet in der Vaudoise genau das Modell, das sie selbst als ihre Stärke beschreibt.

Mehr aus Versicherungen und Pensionskassen

Alle ansehen