LEND
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LEND ist eine Crowdlending-Plattform der Zürcher Switzerlend AG. Sie bringt Kreditnehmer mit privaten Investoren zusammen, die schon ab CHF 500 in Schweizer Kredite und Hypotheken investieren können. Wer eine klassische erste Hypothek sucht, ist hier aber falsch, und LEND sagt das auf der eigenen Hypothekenseite offen: unter der Überschrift "Keine passende Lösung für" nennt die Plattform ausdrücklich 3 Fälle, für die sie nicht gedacht ist, eine klassische Erstrang-Hypothek, eine Standardfinanzierung für Wohneigentum und ein fehlendes Grundpfand in der Schweiz. Was bleibt, ist der Nachrang: Zweithypothek, Altershypothek, Überbrückungsfinanzierung und Mezzanine-Finanzierung. Alle vier Produkte sind Darlehen im zweiten Rang oder tiefer, dort, wo eine Bank bei der Tragbarkeit oder beim Kapitalbedarf nicht mehr mitgeht.
Wofür LEND selbst die Grenze zieht
LEND beschreibt auf derselben Seite auch, wofür ihre Nachrangprodukte tatsächlich gedacht sind: wenn die eigene Bank nicht den gesamten Kapitalbedarf finanziert, wenn kurzfristig zusätzliche Liquidität nötig ist oder wenn die Situation nicht in ein standardisiertes Finanzierungsraster passt. Das ist eine Ansage an eine bestimmte Kundschaft, nämlich Eigentümerinnen und Eigentümer, deren Bank bereits an einer Grenze steht, nicht an Erstkäufer, die noch gar keine Hypothek haben. Rechtlich bedeutet der Nachrang, dass das Grundpfandrecht im Grundbuch nicht an erster, sondern an zweiter oder einer weiteren Stelle eingetragen wird. Kann der Kreditnehmer nicht zurückzahlen, darf der Kreditgeber die Immobilie verwerten. LEND nennt dieses Risiko auf der Zweithypothek-Seite selbst, ohne es zu beschönigen.
Die vier Nachrangprodukte
Die Zweithypothek wandelt den Wert einer bereits finanzierten Immobilie in Liquidität um, für Renovationen, Umbauten oder den Kauf einer weiteren Immobilie. Sie richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer, die zusätzliches Kapital brauchen, ihre bestehende Hypothek aber nicht antasten wollen.
Die Altershypothek ist auf Schweizer Seniorinnen und Senioren zugeschnitten. Sie wandelt den Immobilienwert in eine einmalige oder regelmässige Zahlung um, ohne dass das Haus verkauft oder die Bewohner umziehen müssen. LEND begründet das Produkt mit einem Problem, das die eigene Tragbarkeitsrechnung vieler Banken erst schafft: Im Ruhestand sinkt das Einkommen, und eine bestehende Hypothek lässt sich dann kaum mehr erhöhen. Die Plattform rechnet dazu ein eigenes Beispiel vor: Eine Immobilie wird vor 20 Jahren für CHF 1 Mio. gekauft, mit einer Hypothek von CHF 700'000, damals eine Belehnung von 70 %. Heute ist die Immobilie CHF 1.75 Mio. wert, ein Wertzuwachs von 75 %, wodurch die Belehnung der ursprünglichen Hypothek auf nur noch 40 % gesunken ist. Daraus leitet LEND ein zusätzliches Finanzierungspotenzial von gut CHF 500'000 ab. Es handelt sich um ein Rechenbeispiel der Plattform selbst, keine Zusage an eine einzelne Kundin oder einen einzelnen Kunden, aber es zeigt den Mechanismus klar: Je mehr die Immobilie an Wert gewinnt und je weiter die bestehende Hypothek amortisiert ist, desto mehr Spielraum entsteht im Nachrang.
Die Überbrückungsfinanzierung deckt die Lücke zwischen dem Kauf einer neuen Immobilie und dem Verkauf der alten. LEND kann laut eigener Beschreibung beide Liegenschaften gleichzeitig als Sicherheit heranziehen und rechnet vorher genau durch, ob die zusätzliche Zinslast tragbar ist. Das Produkt ist ausdrücklich auch für Fälle gedacht, in denen die Bank wegen der Tragbarkeit nicht mitzieht, derselbe Engpass wie bei der Altershypothek, nur in der umgekehrten Lebenssituation.
Die Mezzanine-Finanzierung richtet sich an Immobilienprofis, nicht an private Käuferinnen und Käufer. Als hybride Finanzierungsform zwischen Eigen- und Fremdkapital soll sie die Eigenkapitalquote bei Immobilienprojekten erhöhen, etwa beim Handel mit oder bei der Projektfinanzierung von Liegenschaften, damit vorhandenes Eigenkapital in mehreren Projekten gleichzeitig eingesetzt werden kann. Anders als bei den 3 privaten Nachrangprodukten führt die Antragsstrecke für die Mezzanine-Finanzierung über eine eigene Firmenregistrierung statt über die private Anmeldung, ein weiteres Zeichen dafür, dass sich das Produkt an Gewerbetreibende richtet.
Was es kostet
Einen Zinssatz, der eigens für die Nachranghypotheken gilt, nennt LEND auf diesen Seiten nicht. Was dort steht, ist eine allgemeine Konditionenangabe, die auf allen Kreditseiten der Plattform identisch auftaucht: ein effektiver Jahreszins zwischen 4.30 % und 9.96 %, abhängig von Bonität und gewählter Laufzeit, bei einer Rückzahlungsdauer zwischen 12 und 84 Monaten. Das dazugehörige Rechenbeispiel, ein Kredit über CHF 10'000 mit 12 Monaten Laufzeit und Zins- und Gebührenkosten zwischen CHF 179.65 und CHF 358.33, macht daraus einen Gesamtbetrag zwischen CHF 10'179.65 und CHF 10'358.33. Es ist erkennbar auf einen Kleinkredit zugeschnitten und lässt sich nicht auf eine sechsstellige Hypothek übertragen. Zu den eigentlichen Gebühren schreibt LEND in den FAQ, dass Kontoeröffnung und Kreditprüfung grundsätzlich gratis sind. Bei aufwendigeren Prüfungen, wie sie bei Hypotheken anfallen, können jedoch Kosten entstehen, etwa für eine Schätzung, und Kreditnehmer zahlen sonst nur, wenn ihr Kreditprojekt tatsächlich erfolgreich finanziert wurde. Eine konkrete Zahl für diese Fälle nennt die Seite nicht.
Wer hinter LEND steht
Betreiberin ist die Switzerlend AG mit Sitz in Zürich, im Handelsregister unter der Nummer CHE-456.445.646 eingetragen. Die Firma ist Mitglied der Selbstregulierungsorganisation Polyreg und nach eigener Angabe ein genehmigter Finanzintermediär im Sinne von Artikel 2 Absatz 3ff des Geldwäschereigesetzes. Gegründet wurde LEND von Florian Kübler und Michel Lalive, die auf der Über-uns-Seite als Co-Founder geführt werden. Fürs Hypotheken- und Gewerbekreditgeschäft steht dort Roman Mebert als Head Commercial Lending & Real Estate, fürs Privatkundengeschäft Tommy Tusek als Head Personal Lending, dazu Nils Samuelsson als CTO, Magdalena Zur für Finance & HR und Werner Bhend für Investoren und Sales. Auf der eigenen Statistikseite weist LEND ein plattformweit beantragtes Kreditvolumen von CHF 5.6 Mrd. aus, bei einem ausbezahlten Volumen von CHF 614 Mio. Diese Zahlen gelten für alle Kreditarten zusammen, Privat-, Geschäfts- und Hypothekarkredite, und werden nirgends nach Hypotheken allein aufgeschlüsselt. Investorinnen und Investoren können ihr Geld entweder selbst auf einzelne Kreditprojekte verteilen oder in einen diversifizierten Kreditpool der Plattform stecken. Wer die Vertragsbedingungen im Detail lesen will, findet im Footer eigene AGB für Kreditnehmer und für Finanzgeber, eine Gebührenordnung und eine Beitrittserklärung, alle als PDF verlinkt statt nur als Fliesstext auf der Seite selbst.
Für wen sich LEND eignet
LEND passt zu Eigentümerinnen und Eigentümern, deren Bank bei der Tragbarkeit oder beim Kapitalbedarf an eine Grenze gestossen ist: für eine zweite Finanzierungsrunde auf eine bereits beliehene Immobilie, für Rentnerinnen und Rentner, die ihr Eigenheim zu Geld machen wollen, ohne auszuziehen, oder für Käuferinnen und Käufer, die eine neue Immobilie erwerben, bevor die alte verkauft ist. Für Erstkäuferinnen und Erstkäufer, die noch gar keine Hypothek haben, sagt LEND selbst, dass die Plattform der falsche Ort ist, und das ist ehrlicher als das Schweigen, das die meisten Vergleichsportale dazu pflegen. Was auf der Website fehlt, ist eine konkrete Preisangabe für den Nachrang selbst: Wer eine Zahl will, muss anfragen. Dafür ist die Firma hinter dem Angebot klar benannt und reguliert, kein anonymes Formular am anderen Ende.