Hypotheken-Genossenschaft Biel/Bienne

Bahnhofstrasse 12, 2502 Biel · seit 1928

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Wer bei der Hypotheken-Genossenschaft Biel/Bienne anfragt, bekommt keinen Kundenberater aus einem Callcenter und keine Zusatzverkaufsberatung für ein anderes Bankprodukt. Die Genossenschaft an der Bahnhofstrasse 12 in Biel tut 2 Dinge und sonst nichts: Sie vergibt eigene, grundpfandgesicherte Darlehen und Baukredite, und sie verbürgt daneben Hypotheken, die eine Bank sonst nicht bewilligt hätte. Das zweite Standbein hat ihr über Jahrzehnte den Namen gegeben, das erste ist heute das tragende Geschäft.

Von der Immobilienlobby zur eigenen Genossenschaft

Die Genossenschaft entstand nicht als Bankgründung, sondern als Vereinsprojekt. 1928 beschliesst der Haus- und Grundbesitzerverein von Biel und Umgebung die Gründung der Hypotheken-Genossenschaft Biel/Bienne, um seinen Mitgliedern den Zugang zu Baukapital zu erleichtern. 1945 folgt eine Statutenrevision und die formelle Trennung vom Gründerverein, die Genossenschaft steht seither auf eigenen Füssen. Zwischen 1950 und 1976 erlebt sie ihre eigentliche Blütezeit: intensive Bautätigkeit in der Region treibt den Bürgschaftsbestand auf seinen historischen Höchststand von Fr. 16'743'835 in 456 laufenden Geschäften im Jahr 1976. Danach kehrt sich der Trend um. 2001 folgt eine weitere Statutenrevision zur Neuausrichtung, und 2005 ist der Bürgschaftsbestand wegen härterer Konkurrenz im Bankwesen auf Fr. 165'625 in nur noch 5 Geschäften geschrumpft, fast nichts im Vergleich zum Stand von 1976. 2006 zieht die Genossenschaft die Konsequenz und richtet sich neu aus, mit Schwerpunkt auf grundpfändlich gesicherten Bürgschaften und Darlehen. Diese Neuausrichtung ist der Grund, warum sie heute nicht mehr nur Bürgin, sondern auch Kreditgeberin ist.

2 Wege zum Baugeld, nicht nur einer

Die eigene Website nennt das Doppelmandat deutlich: Sie biete Kundinnen und Kunden marktübliche Zinssätze für Darlehen und Baukredite, und sie sichere diese Darlehen durch Schuldbriefe ab. Das unterscheidet die Genossenschaft von einer reinen Bürgschaftsgenossenschaft, die selbst kein Geld auslegt, sondern nur für fremdes Kapital garantiert. Bei der Hypotheken-Genossenschaft Biel/Bienne stammt das Geld für einen Teil der Geschäfte aus der eigenen Kasse, abgesichert durch das übliche Pfandinstrument im Schweizer Hypothekarrecht, den Schuldbrief.

Daneben besteht das ältere Geschäft weiter. Die Genossenschaft übernimmt die Verbürgung von Hypotheken auf Liegenschaften, für Eigentumswohnungen ebenso wie für Einfamilienhäuser, und erleichtert damit den Zugang zu Bankhypotheken für Bauherren und Käufer, deren Dossier bei der eigenen Bank sonst nicht durchgekommen wäre. Für diese verbürgten Hypotheken gilt eine feste Grenze: Die zu verbürgenden Hypotheken sind auf CHF 150'000 begrenzt, um ein ausgewogenes Risikomanagement sicherzustellen. Für die selbst vergebenen Darlehen und Baukredite nennt die Website keine vergleichbare Obergrenze, hier bleibt offen, wie hoch die Genossenschaft im Einzelfall geht. Wer eine Zusatzfinanzierung im niedrigen sechsstelligen Bereich braucht, findet hier eher eine Lösung als bei einem deutlich grösseren Betrag.

Der Weg zum Gesuch

Ein Antrag läuft nicht über ein Onlineformular. Das Reglement steht als PDF zum Download bereit, das Gesuchsformular gibt es auf Anfrage per E-Mail oder Telefon bei der Geschäftsstelle. Zur Prüfung verlangt die Genossenschaft eine Liste, die deutlich mehr Substanz hat als ein Online-Rechner: einen Grundbuchauszug, einen Situationsplan, Baupläne im Massstab 1:100 oder 1:50, bei Bauvorhaben einen detaillierten Kostenvoranschlag, einen Finanzierungsplan, den amtlichen Wert der Liegenschaft, die letzte Prämienrechnung der kantonalen Gebäudeversicherung und Angaben zum Bruttoverdienst der Gesuchstellenden. Bei einem KMU-Darlehen kommt zusätzlich ein Bonitätsnachweis des Betriebs dazu, ein Hinweis darauf, dass die Genossenschaft nicht nur Privatpersonen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen finanziert. Das ist mehr Papierarbeit, als eine Filiale für einen Online-Abschluss verlangt, aber sie zeigt, dass hier ein Dossier tatsächlich geprüft wird und nicht nur ein Kreditscore abgefragt.

7 Köpfe, keine Grossbank-Bürokratie

Die Verwaltung besteht aus 7 Mitgliedern, alle aus der Region Biel und Seeland. Präsidentin ist Monika Guggisberg, Notarin, Vizepräsident ist Thomas Robert Hänni, Vermögensberater. Dazu kommen Heinz Freivogel, Fürsprecher, Mario Petrone von der PS Immobilien AG, der Rechtsanwalt Thomas Weder, der Versicherungsfachmann Alberto Zoboli und Marc Zürcher. Die operative Geschäftsführung liegt nicht bei einer eigenen Belegschaft, sondern ist an die Lässer Treuhand AG delegiert, deren Geschäftsführerin Monika Wasser am selben Sitz an der Bahnhofstrasse 12 arbeitet, unter derselben Telefonnummer wie die Genossenschaft selbst. Revisionsstelle ist die Reist Treuhand GmbH in Biel. Das ist eine schlanke Struktur, wie sie zu einer kleinen Genossenschaft mit historisch tiefem Geschäftsvolumen passt: kein Filialnetz und kein eigenes Backoffice, sondern ein Verwaltungsrat aus der Region und ein Treuhandbüro, das die Verwaltung im Auftrag führt. Immerhin veröffentlicht die Genossenschaft ihren Geschäftsbericht 2023 als PDF zum Download und stellt ihre Statuten auf Deutsch und auf Französisch bereit, ein Mass an Offenlegung, das man bei einer derart kleinen Genossenschaft nicht selbstverständlich findet.

Was die Website nicht sagt

Aktuelle Zinssätze für die eigenen Darlehen nennt die Website nicht, nur die allgemeine Zusage, dass sie marktüblich seien. Gebühren für die Kreditprüfung oder die Verbürgung werden ebenfalls nicht beziffert. Wer einen Vergleich mit einer Bankhypothek ziehen will, muss also anrufen oder ein Gesuch einreichen, ein reiner Onlinevergleich reicht nicht. Auch das Geschäftsgebiet bleibt informell: Die Website spricht vom espace mittelland, nennt aber keine feste Liste an Gemeinden, in denen die Genossenschaft aktiv ist. Die Website selbst ist zweisprachig, mit einem direkten Wechsel zwischen Deutsch und Französisch in der Navigation, was zur Lage im zweisprachigen Biel passt, auch wenn das Gesuchsformular nur telefonisch oder per E-Mail erhältlich ist und nicht online ausgefüllt werden kann. Und wer eine Liegenschaft sucht statt eine Finanzierung, ist an der falschen Adresse. Die eigene Seite stellt klar, dass die Genossenschaft keine Liegenschaften anbietet, sondern sich vollständig auf die Absicherung und Finanzierung von Bauvorhaben konzentriert.

Für wen sich der Anruf lohnt

Diese Genossenschaft passt zu 2 sehr unterschiedlichen Situationen. Die eine: ein Bauvorhaben oder ein Immobilienkauf in und um Biel, bei dem die Hausbank eine zusätzliche Absicherung durch eine Bürgschaft verlangt, um die Hypothek überhaupt zu sprechen, solange die verbürgte Summe unter der Grenze von CHF 150'000 bleibt. Die andere: eine Zusatzfinanzierung oder ein Baukredit, für den ein eigenes Darlehen der Genossenschaft, gesichert durch Schuldbrief, eine Alternative zur Bank sein kann, oder ein KMU-Darlehen für ein Geschäft in der Region. Für eine erste Hypothek über eine grosse Summe oder für Kundschaft weit ausserhalb der Region ist die Genossenschaft der falsche Ansprechpartner, dafür fehlen sowohl die Grössenordnung als auch das Filialnetz. Für alles dazwischen ist sie eine der wenigen Adressen in Biel, die sowohl direkt Geld auslegt als auch für Dritte bürgt, und das seit 1928.

Kontakt: Bahnhofstrasse 12, 2502 Biel, Telefon 032 322 11 62, montags bis donnerstags von 7:30 bis 12:00 und von 13:30 bis 17:30 geöffnet, freitags nur bis 14:00, am Wochenende geschlossen.

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