Bank Gantrisch Genossenschaft

Bahnhofstrasse 2, 3150 Schwarzenburg · seit 1825

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Die Bank Gantrisch Genossenschaft beruft sich auf das Jahr 1825, aber die eigene Zeitleiste auf der Website erzählt eine differenziertere Geschichte, als es die "Seit 1825"-Zeile auf der Startseite vermuten lässt. Gegründet wurde sie am 24. März 1825 als Ersparnis-Casse für den Amtsbezirk Schwarzenburg, die Statuten folgten am 26. Dezember desselben Jahres. Zur Genossenschaft im heutigen Rechtssinn wurde sie erst 1905, und ihren aktuellen Namen, Bank Gantrisch Genossenschaft, trägt sie erst seit 2011. Dazwischen liegt 1972 eine erste Bilanzsumme über CHF 100 Mio., 2004 die Mitgründung der EG Esprit, 2008 die Entstehung der aek Genossenschaft, 2016 die Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft und 2017 das Wachstum der Esprit Netzwerk AG. Die Bank selbst fasst diese fast 200-jährige Geschichte so zusammen: "Wir dürfen auf eine 200-jährige Bankgeschichte und über 100-jährige erfolgreiche Tradition als rechtskräftige Genossenschaft zurückblicken."

5 Standorte im Gantrischgebiet

Die Bank ist heute an 5 Standorten präsent, alle im selben ländlichen Einzugsgebiet südwestlich von Bern. Der Hauptsitz liegt an der Bahnhofstrasse 2 in 3150 Schwarzenburg, dazu kommen Geschäftsstellen in Guggisberg (Dorf 67, 3158 Guggisberg), in Köniz (Könizstrasse 291, 3098 Köniz), in Niederscherli (Zur Station 4, 3145 Niederscherli) und im kleinen Sangernboden. Dort ist der Schalter nicht in einem eigenen Bankgebäude untergebracht, sondern im Gasthof Hirschen, und die Öffnungszeiten richten sich sichtbar nach dem Wirtshaus statt nach dem üblichen Bankrhythmus: Montag und Dienstag ist Ruhetag, dafür hat die Bank von Mittwoch bis Samstag offen und sogar an Sonn- und Feiertagen, während die 4 übrigen Geschäftsstellen am Wochenende geschlossen bleiben. Wer telefonisch Kontakt aufnehmen will, erreicht den Hauptsitz unter 031 734 20 20.

4 Kundenbereiche, einer davon für Landwirtinnen und Landwirte

Anders als die meisten Regionalbanken teilt Bank Gantrisch ihr Angebot im Hauptmenü nicht bloss in Privat- und Geschäftskunden, sondern in 4 eigenständige Bereiche: Privat, Beginners (für Kundinnen und Kunden bis 30 Jahre, unter anderem mit einer bis zum 30. Geburtstag kostenlosen Karte), KMU und Landwirt. Jeder dieser Bereiche hat sein eigenes Untermenü Finanzieren mit einer eigenen Übersicht der Finanzierungsmodelle und einer eigenen Finanzierungsanfrage, und der Landwirtschaftsbereich ist dabei kein Anhängsel, sondern eine eigene kleine Rubrik mit eigener Zinsseite, eigener Produktseite und sogar einer eigenen Kundengeschichte.

Auf der Finanzierungsmodelle-Seite für Landwirtinnen und Landwirte schreibt die Bank, ihr Angebot konzentriere sich "in erster Linie auf den Kanton Bern (ohne Berner Jura) und Deutschfreiburg" und reiche "vom Unterstand bis zum Komplettumbau des Ökonomiegebäudes, vom Fuhrpark bis zu Roboteranlagen, Betriebsgemeinschaft und Generationenwechsel". Das ist deutlich mehr als die übliche Eigenheimhypothek, und es zeigt, dass hier tatsächlich mit landwirtschaftlichem Fachwissen gearbeitet wird statt nur mit einem umbenannten Standardprodukt.

Wie eine Stallfinanzierung konkret aussieht

Wie das in der Praxis abläuft, zeigt die Geschichte der Familie Pauli aus Mamishaus bei Schwarzenburg, die die Bank auf ihrer Seite "Stall finanzieren" erzählt. Zwischen 2022 und 2023 baute Landwirt Mathias Pauli einen neuen Laufstall, der laut der Seite "Platz für rund 26 Kühe und 26 Kälber bietet". Der Betrieb war zuvor ein Milchwirtschaftsbetrieb, das Ziel des Neubaus war die Umstellung auf Mutterkuhhaltung, verbunden mit mehr Flexibilität für einen Nebenerwerb. "Ich wollte schon immer Mutterkühe halten", wird Pauli auf der Seite zitiert. Für die Finanzierung holte sich die Bank einen zusätzlichen Partner ins Boot: "Zusammen mit der Bernischen Stiftung für Agrarkredit konnte die Bank Gantrisch die Drittfinanzierung sicherstellen", heisst es dort, und Pauli selbst sagt über die Zusammenarbeit: "Die Bank Gantrisch gab uns kompetenten und vertrauensvollen finanziellen Rückhalt." Es ist die Art von Beispiel, die eine Zinssätze-Seite nicht liefern kann: ein echter Name, ein echter Ort, ein echtes Bauprojekt mit Zeitrahmen.

Eigene Zinsseite, aber kein eigener Zins

Bei den Konditionen ist die Bank auffallend offen und zugleich ehrlich in einer Hinsicht, die man ihr lassen muss. Die Landwirtschaftsseite zeigt eine eigene, mit "Stand: 1. September 2026" datierte Zinstabelle: Die Festhypothek Landwirtschaft kostet dort 1.40 % bei 2 Jahren Laufzeit und steigt in Stufen auf 2.02 % bei 10 Jahren, die Flexhypothek (SARON) verlangt eine Kosten- und Risikomarge zwischen 0.99 % und 1.01 % je nach Laufzeit, die variable Hypothek liegt bei 2.75 % und der Baukredit startet ab 1.50 % netto mit Bautreuhänder beziehungsweise ab 2.00 % netto ohne. Ruft man dieselbe Tabelle auf der privaten Zinsseite für den Wohnbau auf, findet sich zum selben Stichtag exakt derselbe Satz an Zahlen. Die Bank führt also eine eigene, separat beschriftete Seite für die Landwirtschaft, verlangt aktuell aber keinen anderen Zins für einen Stall als für ein Eigenheim. Wer eine landwirtschaftliche Vergünstigung erwartet, findet sie in den publizierten Sätzen nicht, wohl aber eine Bank, die zwischen den beiden Zielgruppen überhaupt strukturell unterscheidet, was längst nicht jede Regionalbank tut. Da Schweizer Hypothekarzinsen wöchentlich schwanken, gilt diese Momentaufnahme nur für den genannten Stichtag.

Für die gewöhnliche Eigenheimfinanzierung bietet die Privat-Seite dieselben 4 Modelle wie der Landwirtschaftsbereich: Festhypothek, Flexhypothek (SARON), variable Hypothek und Baukredit, Letzterer beschrieben als Instrument, "wobei die Zahlungen analog zum Baufortschritt erfolgen". Wer eine Finanzierung anfragen will, egal ob für die eigene Wohnung, den Stall oder eine energetische Sanierung, tut das über dasselbe Online-Formular Finanzierungsanfrage, das in jedem der 4 Kundenbereiche verlinkt ist.

Genossenschaft mit bezifferter Dividende

Die Genossenschaftsform ist bei Bank Gantrisch mehr als ein Etikett im Namen. Auf der eigenen Genossenschaftsseite nennt die Bank "Solidarität, Ehrlichkeit und Verantwortung" als Werte und listet die Vorteile der Mitgliedschaft konkret auf: Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung, Einladungen zu Informations- und Kulturanlässen, eine Gewinnbeteiligung in Form einer Dividende sowie weitere Genossenschaftsvorteile und ein ausdrückliches Engagement für die Region und die lokale Wirtschaft. Was diese Dividende konkret bedeutet, zeigen die veröffentlichten Kennzahlen: Der Anteilschein hat einen Nominalwert von CHF 300 und wird zu CHF 500 ausgegeben. Für das Geschäftsjahr 2025 weist die Bank eine Dividende von CHF 24 pro Anteilschein aus, mit einem Sternchen als Vorbehalt versehen, was einer Rendite von 4.8 % entspricht, nach CHF 36 und 7.2 % im Jahr zuvor. Eine genaue Zahl der Genossenschafterinnen und Genossenschafter selbst nennt die Seite nicht.

Auch beim Wachstum bleibt die Bank auf Kurs, jedenfalls laut ihren eigenen Kennzahlen: Zwischen Ende 2024 und Ende 2025 stieg die Bilanzsumme von 943'365 auf 986'119 (Angaben in 1'000 Franken), das Eigenkapital von 84'184 auf 87'246, die Zahl der Mitarbeitenden von 34 auf 36 und die Zahl der Geschäftsstellen von 4 auf 5. Für ein Institut dieser Grösse ist das ein spürbarer Sprung in einem einzigen Jahr, auch wenn die Seite selbst nicht erklärt, welche Geschäftsstelle neu dazukam.

Für wen sich das eignet

Wer im Schwarzenburgland, in Köniz, Niederscherli, Guggisberg oder Sangernboden wohnt oder dort einen Hof betreibt und eine Regionalbank mit echtem Genossenschaftscharakter sucht, findet bei Bank Gantrisch ein Institut, das Mitgliedschaft nicht nur verspricht, sondern mit einer bezifferten Dividende hinterlegt. Landwirtinnen und Landwirte bekommen einen eigenen Bereich samt eigener Zinsseite und mit der Familie Pauli ein greifbares Beispiel, wie eine Stallfinanzierung dort abläuft. Wer allerdings auf einen günstigeren Sonderzins für die Landwirtschaft gehofft hatte, muss diese Erwartung korrigieren: Die publizierten Sätze für Stall und Eigenheim sind identisch. Und wer ausserhalb des Kantons Bern und Deutschfreiburgs wohnt, liegt laut der eigenen Beschreibung der Bank ohnehin ausserhalb jenes Gebiets, auf das sie ihr Finanzierungsangebot ausrichtet.

Mehr aus Regionalbanken Bern, Freiburg und Waadt

Alle ansehen