Thurgauer Kantonalbank
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Die Thurgauer Kantonalbank geht auf eine Volksabstimmung zurück, nicht auf eine Unternehmensgründung im üblichen Sinn. Die Demokratische Bewegung forderte eine Bank, die der Landwirtschaft und dem Gewerbe im Kanton als volksnahe Institution dient, und die Stimmberechtigten genehmigten das Gesetz am 3. April 1870 mit 53 Prozent Ja-Stimmen. Ihren ersten Schalter eröffnete die Bank am 1. Mai 1871 im Weinfelder Rathaus, wo heute noch ihr Hauptsitz steht. Wer sich seit 1871 im Thurgau als Institution etabliert hat, prägt das Angebot bis heute: eine Bank mit Staatsgarantie, sechs klar benannten Hypothekarlinien und einem Baukredit, dessen Kosten die Bank offen auf ihrer eigenen Seite nennt.
Kanton Thurgau als Haupteigentümerin, Garantie ohne Grenze
Die TKB ist ein öffentlich-rechtliches Bankinstitut mit Staatsgarantie. Haupteigentümerin ist der Kanton Thurgau, der 320 Millionen Franken Grundkapital zur Verfügung stellt, dazu kommen 80 Millionen Franken Gesellschaftskapital in Form von Partizipationsscheinen mit einem Nennwert von je 20 Franken, die im Publikum gehandelt werden. Die Staatsgarantie geht über die gewöhnliche Einlagensicherung hinaus, die Kundeneinlagen bei Schweizer Banken normalerweise bis 100'000 Franken pro Person absichert. Nach dem kantonalen TKB-Gesetz haftet der Kanton für die Verbindlichkeiten der Bank, soweit deren eigene Mittel nicht ausreichen, und zwar ohne Haftungsgrenze. Am Ende eines Konkursverfahrens würde der Kanton die TKB-Kundinnen und -Kunden also vollständig schadlos halten, nicht nur bis zu einer Obergrenze. Das deckt Spar- und Privatkonten, Kontokorrentguthaben, Obligationen der TKB sowie Fest- und Termingelder ab. Depotwerte wie Wertschriften fallen nicht darunter, weil sie im Konkursfall ohnehin nicht zur Vermögensmasse der Bank gehören und deshalb schon auf andere Weise separat geschützt sind. Für wen das den Unterschied macht: eine Privatbank oder eine der grossen Retailbanken ohne kantonale Trägerschaft bietet ihren Sparerinnen und Sparern nur die branchenübliche Grenze von 100'000 Franken, die TKB darüber hinaus die volle Staatshaftung.
29 Geschäftsstellen, mehr als 900 Mitarbeitende
Die TKB beschreibt sich selbst als Bank mit starker lokaler Präsenz: 29 Geschäftsstellen im Kanton, Hauptsitz in Weinfelden, über 900 Mitarbeitende, darunter rund 50 Lernende und Praktikantinnen und Praktikanten. Die Bilanzsumme liegt bei 36 Milliarden Franken, die Kapitalquote bei 21 Prozent, und die Bank zählt über 230'000 Kundinnen und Kunden. Nach eigener Angabe vertraut mehr als die Hälfte aller Unternehmen im Kanton auf sie, eine Marktdurchdringung, die eine national tätige Grossbank in einem einzelnen Kanton kaum erreicht. Die Geschäftsleitung führt Thomas Koller als Vorsitzender. Sein Stellvertreter Remo Lobsiger leitet den Bereich Geschäftskunden, Francesca Keller den Bereich Privatkunden, Marcel Stauch den Bereich Digitalisierung und Services, Tobias Hilpert den Bereich Private Banking und Hanspeter Hutter den Bereich Finance und Risk. 5 Bereichsleitende neben dem Vorsitzenden, jeder mit eigenem Zuständigkeitsbereich, statt einer schmalen Führungsspitze, wie sie kleinere Regionalbanken im Kanton oft haben.
Sechs benannte Hypothekarlinien statt einer Zinsliste
Statt einer einzigen generischen Hypothek führt die TKB sechs eigenständig benannte Produkte: Energie-Hypothek, Familien-Hypothek, Festhypothek, SARON-Flexi-Hypothek, Termin-Festhypothek und Variable Hypothek. Jede davon hat eine eigene Produktseite mit eigenen Bedingungen, statt dass ein einzelnes Formular alle Fälle abdeckt. Für den Bau selbst kommt ein siebtes, separates Produkt dazu, der Baukredit, den die Bank ausdrücklich nicht als Hypothekenvariante, sondern als eigenständiges Kreditprodukt für die Bauphase führt.
Termin-Festhypothek: der Zins von morgen, heute fixiert
Auffällig unter den sechs ist die Termin-Festhypothek, ein Forward-Produkt. Die Bank bewirbt sie mit der Frage "Günstige Hypothekar-Zinsen? Fixieren Sie den Zinssatz für Ihre Hypothek im Voraus für eine frei wählbare Laufzeit". Konkret lässt sich der Satz bis 24 Monate im Voraus abschliessen, für jede der gängigen TKB-Festhypotheken. Wer heute einen tiefen Zins sieht und erst in zwei Jahren finanzieren muss, etwa weil ein Neubau erst dann bezugsbereit ist oder eine bestehende Hypothek erst dann ausläuft, kann den Satz schon jetzt sichern. Der Preis dafür ist ein Aufschlag auf den ordentlichen Hypothekarzinssatz, dessen Höhe sich nach Vorlaufzeit und Laufzeitlänge richtet. Die Produktseite nennt dafür keinen festen Prozentsatz, das Angebot bleibt also ohne persönliche Offerte nicht vollständig bezifferbar. Einmal abgeschlossen, lässt sich eine Termin-Festhypothek grundsätzlich nicht mehr rückgängig machen, ein Bindungspunkt, den die Bank in ihren eigenen Angaben zum Produkt so festhält.
Energie-Hypothek und Familien-Hypothek: zwei Rabattmodelle mit Zahlen
Zwei der sechs Linien sind reine Vergünstigungen auf einer Festhypothek, nicht eigene Zinsmodelle. Die Energie-Hypothek bringt eine Zinsreduktion von 0.50 Prozent und soll bis zu 20'000 Franken Zinskosten sparen. Vorausgesetzt ist ein Nachweis nach Minergie- oder GEAK-Standard: bei Neubauten ein Minergie-Zertifikat (Standard, P oder A, jeweils mit oder ohne Zusatz ECO) oder ein GEAK Neubau mit Energieeffizienzklasse A in allen Kategorien, bei Renovationen ein GEAK Plus in Klasse A, B oder C oder eine Bestätigung der Minergie-Systemerneuerung. Bei einem Hypothekarvolumen unter 2 Millionen Franken liegt der vergünstigte Betrag zwischen mindestens 20'000 und höchstens 200'000 Franken, und die Vergünstigung gilt für 2 bis maximal 10 Jahre ab Auszahlung. Wer nur ein Zertifikat vorweist, ohne den Betrag oder die Laufzeitgrenze zu beachten, verschenkt damit einen Teil des möglichen Rabatts, ein Detail, das auf der Produktseite selbst leicht zu überlesen ist.
Die Familien-Hypothek funktioniert ähnlich, richtet sich aber an Familien mit Kindern unter dem vollendeten 18. Lebensjahr, die selbst genutztes Wohneigentum finanzieren. Der Rabatt beträgt 0,5 Prozent auf die Festhypothek, der vergünstigte Betrag ist auf 200'000 Franken limitiert, die Kapitalbindung dauert mindestens 5 und höchstens 10 Jahre mit festem Zinssatz. Über die Laufzeit gerechnet lassen sich damit bis zu 10'000 Franken sparen. Beide Rabatte zusammen zeigen, wie die TKB ihre Konditionen an Zielgruppen bindet, statt allen dieselbe Marge zu berechnen.
Baukredit: Kommission statt Fixzins, fällig pro Quartal
Für die Bauzeit selbst greift der Baukredit, ein Kontokorrent-Kredit mit Grundpfanddeckung in Höhe des Kreditrahmens, gedacht für Neu-, Um- und Erweiterungsbauten sowie Renovationen. Verrechnet wird eine Kreditkommission von 0.25 Prozent pro Quartal auf dem höchstbenutzten Schuldsaldo, zusätzlich zum eigentlichen Baukredit-Zinssatz. Wer den Kredit über mehrere Quartale hinweg voll ausschöpft, zahlt diese Kommission also mehrfach, nicht nur einmal beim Abschluss. Die Zinsen selbst werden vierteljährlich fällig und automatisch belastet. Einen Maximalbetrag gibt es grundsätzlich nicht, er richtet sich allein nach den hinterlegten Sicherheiten. Während der Bauphase fallen keine Amortisationen an, diese werden erst bei der Umwandlung in eine Hypothek nach Bauabschluss fixiert. Voraussetzung für die Auszahlung sind eine offizielle Baubewilligung und der Abschluss einer Bauzeitversicherung, beide Formalitäten müssen vor der ersten Auszahlung vorliegen. Individuelle Rückzahlungen sind über das Baukonto jederzeit möglich, und ein Wechsel in eine Hypothek geht laut Bank ebenfalls jederzeit, was die Bindung an den Baukredit während der eigentlichen Bauzeit locker hält.
Für wen sich die TKB eignet
Wer im Thurgau baut, kauft oder eine bestehende Hypothek erneuert und Wert auf eine lokal verankerte Bank mit unbegrenzter Staatsgarantie legt, findet bei der TKB ein Angebot, das über eine reine Zinsliste hinausgeht: benannte Produkte für Forward-Absicherung, energetisches Bauen und Familien, dazu ein Baukredit mit offengelegter Kommission statt versteckter Gebühren. Was die Bank nicht öffentlich zeigt, sind die tagesaktuellen Zinssätze der einzelnen Hypothekarlinien selbst, dafür verweist sie auf ihren Hypothekenrechner oder ein persönliches Beratungsgespräch. Für eine Bank, die seit 1871 mehrheitlich dem Kanton gehört, ist das ein nachvollziehbarer Tausch: mehr Substanz zu den Produktbedingungen, weniger zur reinen Zahl auf der Startseite.