Clientis Bank im Thal
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Die Clientis Bank im Thal mit Hauptsitz in Balsthal begann nicht als Bank, sondern als Sparverein. 1885 gründeten 24 Sparer aus Balsthal und der Klus den «Sparverein Balsthal-Klus» und gaben sich ein Motto, das die Härte ihrer Zeit unverblümt zeigt: «Wer nicht ebenso gut zu sparen als zu verdienen weiss, der kann sich zu Tode arbeiten, ohne einen Rappen zu hinterlassen!» Löhne waren klein, eine staatliche Altersvorsorge gab es nicht, und für viele Familien im Thal war der Verein die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas beiseitezulegen.
1975 legte die Bank die Darlehenskasse und den Sparverein zur «Bank in Balsthal» zusammen. 1979 beschloss die Generalversammlung, die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, ein Schritt, den viele Regionalbanken im Kanton Solothurn bis heute nicht gemacht haben. Ihren heutigen Namen erhielt das Institut erst 1994, mit der Fusion der Sparkassen Laupersdorf und Matzendorf zur «Bank im Thal». Kurz danach folgten weitere Übernahmen: 1995 der Sparverein Holderbank, 1998 der Sparverein «Biene» Mümliswil und im Jahr 2000 die eigene Tochtergesellschaft IMMAG Balsthal. Mehrere einst selbständige Sparvereine und Sparkassen aus dem Tal stecken damit in einem einzigen Namen, jede mit einem eigenen Dorf im Hintergrund: Balsthal, Laupersdorf, Matzendorf, Holderbank und Mümliswil.
Trotz dieser Fusionsgeschichte ist die Bank im Thal ein kleines Haus geblieben. Per Stichtag 31.12.2025 führte sie eine einzige Geschäftsstelle, am Hauptsitz an der Goldgasse 11 in Balsthal, mit 14 Mitarbeitenden auf 10 Vollzeitstellen. Geöffnet ist der Schalter dienstags bis freitags von 09.00 bis 11.30 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr sowie samstags von 09.00 bis 11.30 Uhr, montags bleibt er ganz geschlossen, eine für eine Bank ungewöhnliche Lücke, die zeigt, wie sehr der Betrieb auf ein einziges, kleines Team zugeschnitten ist. Wer ausserhalb dieser Zeiten etwas braucht, kann laut eigener Kontaktseite zwischen einem Termin vor Ort, einem Telefonat oder einem Online-Formular wählen.
Als Aktiengesellschaft zählt die Bank 1'153 Aktionäre statt Genossenschafter, ein Unterschied, der auch die Mitsprache regelt: Aktionäre stimmen nach Kapitalanteil ab, nicht nach Kopf wie bei einer Genossenschaft. In ihrer Kennzahlentabelle, jeweils in 1'000 Franken angegeben, weist die Bank für denselben Stichtag eine Bilanzsumme von 420'914, Kundenausleihungen von 354'471 und Kundengelder von 282'928 aus. Das Eigenkapital betrug 33'447, der Betriebserfolg 5'480, der Geschäftsaufwand 3'358, der Geschäftserfolg 1'704 und der Jahresgewinn 517, alles in derselben Einheit von 1'000 Franken. Für ein Haus mit einer einzigen Geschäftsstelle ist das eine respektable Bilanz, weit über das hinaus, was der Blick auf die schlichte Website vermuten liesse. Eine eigene Seite zu den Geschäftsstellen und Bancomaten führt denn auch, abgesehen vom Hauptsitz an der Goldgasse, keine weitere Adresse: Wer der Bank persönlich begegnen will, tut das in Balsthal oder gar nicht vor Ort.
Eigenständig in der Clientis-Gruppe
Was auf den ersten Blick wie eine Filiale der Clientis-Gruppe aussieht, ist rechtlich ein eigenständiges Institut. Auf der Gruppenseite der Bank heisst es, die Clientis Banken blieben «selbständig mit eigener Rechtsform sowie eigenem Verwaltungsrat vor Ort» und «sie entscheiden alle strategischen Fragen selber, auch im Kreditgeschäft». Sichtbarer Ausdruck dieser Eigenständigkeit ist die eigene IID-Nummer, die Clearing-Nummer 6434, sowie der eigene SWIFT-Code RBABCH 22 434, mit denen die Bank im Zahlungsverkehr als selbständige Teilnehmerin auftritt und nicht über eine gemeinsame Clientis-Sammelnummer läuft. Intern trägt der Verwaltungsrat laut Organisationsseite «die Oberleitung der Gesellschaft sowie die Aufsicht und Kontrolle der Geschäftsleitung», während der Geschäftsleitung «die Geschäftsführung im Sinne des Bankengesetzes» obliegt, eine klassische Zweiteilung, die bei der Bank im Thal vor Ort und nicht am Sitz einer Zentrale entschieden wird. Über die Clientis-Gruppe teilt sich die Bank dagegen die Produktentwicklung, die Refinanzierung, die Verarbeitung und den Zugang zum Kapitalmarkt sowie den Wissensaustausch mit den übrigen Clientis-Instituten, Bereiche, in denen ein Haus dieser Grösse allein kaum mithalten könnte. Für eine Kundin oder einen Kunden bedeutet das in der Praxis: Das Logo auf der Karte ist dasselbe wie bei den anderen Clientis-Banken im Land, aber die Person, die über einen Kredit entscheidet, sitzt in Balsthal und nicht in einer fernen Zentrale.
Das Hypothekenangebot
Das Hypothekenangebot selbst folgt dem Baukasten der Gruppe: eine Festhypothek mit über die ganze Laufzeit gleichbleibendem Zins, eine variable Hypothek mit offener Laufzeit und schwankendem Zins, eine Geldmarkthypothek, die sich am SARON orientiert, sowie ein Bau- und Umbaukredit für Neubauten, Umbauten und Renovationen. Dazu kommt eine eigene Seite zum energieeffizienten Bauen und Renovieren, auf der die Bank Beratung und weiterführende Informationen zur Finanzierung solcher Vorhaben anbietet, ohne dafür ein eigenes benanntes Hypothekenprodukt zu führen. Aktuelle Zinssätze für Hypotheken publiziert die Seite nicht: Interessenten vereinbaren stattdessen online einen Beratungstermin oder nutzen den Hypothekenrechner, um vorab zu prüfen, ob sich ein Wunschobjekt tragen lässt. Ergänzend verweist die Bank auf einen mit der Beobachter-Redaktion erarbeiteten Ratgeber zum Weg ins Eigenheim, ein Angebot, das sie mit anderen Clientis-Banken teilt und das entsprechend nicht als eigene Leistung der Bank im Thal gelten kann.
140 Jahre im Thal
Am 4. Januar 2025 feierte die Bank mit über 200 Gästen ihren 140. Geburtstag, unter dem Motto «Gemeinsam feiern, gemeinsam geniessen, gemeinsam Erinnerungen schaffen». Zum Jubiläum liess sie 140 Jungbäume für die Forstgemeinden Thal und Dünnerntal pflanzen und beging die 140. Generalversammlung zugleich als Jubiläumsfest. Für ein Institut mit einer einzigen Geschäftsstelle ist das ein auffälliger Aufwand, aber er zeigt, wie sehr sich die Bank über ihre lokale Verwurzelung definiert und weniger über ihre Grösse. Die eigene Jubiläumsseite beschreibt die 140 Jahre als «eine Geschichte voller Engagement, Zusammenhalt und Leidenschaft», eine Formulierung, die zur Chronik aus Sparverein, Darlehenskasse und mehreren übernommenen Dorfinstituten tatsächlich passt.
Für wen sich die Bank im Thal eignet
Wer im Thal wohnt oder dort ein Haus kaufen will und einen Ansprechpartner sucht, der die Region seit 1885 begleitet, findet in der Bank im Thal ein Institut, das genau das seither tut, ohne dabei den Anschluss an eine grössere Gruppe zu verlieren. Der Nachteil liegt in der Grösse: Eine einzige Geschäftsstelle an der Goldgasse 11 bedeutet einen weiteren Anfahrtsweg für alle, die nicht in Balsthal oder den umliegenden Dörfern wohnen, und wer ausserhalb der knappen Öffnungszeiten beraten werden möchte, ist auf den Online-Terminservice oder das Telefon angewiesen. Wer dafür ein eigenständiges, seit 1979 als Aktiengesellschaft geführtes Haus mit 1'153 Aktionären, einer eigenen IID-Nummer und einer soliden Bilanz sucht statt einer Callcenter-Hotline eines Grosskonzerns, ist bei der Clientis Bank im Thal an der richtigen Adresse.