Ersparniskasse Speicher

Speicher AR · seit 1819

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Wer die Ersparniskasse Speicher am Telefon erreicht, spricht mit einer von 4 Angestellten, mehr Personal hat die Bank nicht. Gegründet wurde sie 1819 von Johann Ulrich Zuberbühler und Georg Leonhard Schläpfer in Speicher, AR, ursprünglich als einfache Sparkasse für das Appenzeller Dorf. Zur Stiftung, wie sie heute firmiert, wurde sie erst 1939, als sie dem damaligen Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen unterstellt und als Stiftung neu gegründet wurde. Diese Rechtsform hat bis heute Folgen: Eine Stiftung hat keine Aktionäre, denen sie Dividenden schuldet, und die Bank schreibt auf ihrer eigenen Seite, dass die erarbeiteten Gewinne aus dem klassischen Zinsdifferenzgeschäft vollumfänglich den Reserven zugewiesen werden. Wer hier ein Konto eröffnet oder eine Hypothek aufnimmt, finanziert also keine Gewinnausschüttung an Dritte, sondern die eigene Kapitalbasis der Bank.

Die Ersparniskasse Speicher beschreibt sich selbst als unabhängige Regionalbank mit Fokus auf Privatkundschaft, und das Angebot bleibt entsprechend schmal: Kontokorrent- und Sparkonti, Hypothekar-Darlehen mit variablen und festen Laufzeiten sowie Tresorfächer. Einen einzigen Standort führt sie an der Hauptstrasse 21 in Speicher, mit Öffnungszeiten von Montag bis Freitag 8–12 Uhr und 14–18 Uhr sowie samstags von 8–11 Uhr, eine Ausnahme unter Schweizer Regionalbanken, von denen die meisten das Wochenende komplett schliessen.

Die Stiftung hinter der Bank

Governance fällt bei einer derart kleinen Bank ungewöhnlich formell aus. An der Spitze steht ein 5-köpfiger Stiftungsrat: Stefan Thalhammer, lic. iur. Rechtsanwalt, führt ihn seit 2014 als Präsident, Andreas Bänziger, diplomierter Architekt HTL, ist seit 2013 Vizepräsident, und Reto Sonderegger, lic. oec. HSG und Wirtschaftsökonom, sitzt ebenfalls seit 2013 im Gremium. Barbara Schittli, ebenfalls Rechtsanwältin, kam 2024 dazu, Raoul Fetz, Fachmann für Finanz- und Rechnungswesen mit eidgenössischem Fachausweis, erst 2026. Das operative Geschäft führen 2 Co-Verwalter gemeinsam: Daniel Müller, seit 1991 im Haus und damit mit weitem Abstand am längsten dabei, und Sarah Schrag, die die Geschäftsleitung erst seit 2023 mitverantwortet. Dazu kommen Karin Rohner als Verwalter-Stellvertreterin, angestellt seit 2002, und Iris Staub, die 2025 als jüngste Mitarbeiterin dazustiess. Zusammen sind das die erwähnten 4 Personen, mehr Belegschaft weist die Bank nirgends aus. Die externe Revision, ebenfalls bankengesetzlich vorgeschrieben, übernimmt Forvis Mazars AG in Zürich.

Konten und Gebühren

Beim Sparen bleibt die Ersparniskasse Speicher transparenter als viele grössere Institute: Zinssätze und Gebühren stehen offen auf der Website, datiert auf den 1. Mai 2026 für die Zinssätze und den 1. Januar 2024 für die Gebühren. Das Anlagesparkonto verzinst sich mit 0,25 %, das Sparkonto und Sparen 60+ mit 0,15 %, und das Jugendsparkonto, gültig bis zum 20. Altersjahr, mit 0,750 %. Wer beim Anlagesparkonto mehr als CHF 10 000 abheben will, braucht dafür 90 Tage Kündigungsfrist, kleinere Beträge bis CHF 10 000 sind innerhalb von 31 Tagen ohne Kündigung verfügbar; wird die Rückzugslimite ohne Kündigungsfrist überschritten, verrechnet die Bank zwingend 2 % des überschreitenden Betrags. Beim Sparkonto und Sparen 60+ liegt die entsprechende Schwelle bei CHF 30 000 und einer Frist von 3 Monaten, mit einer Belastung von maximal 2 % bei Überschreitung. Das Festanlagekonto mit Laufzeiten von 2 bis 5 Jahren führt die Bank derzeit durchgehend als "kein Angebot", diese Anlageform ist aktuell also nicht buchbar. Das Kontokorrent-Konto selbst trägt keinen Zins.

Bei den Kontoführungsspesen verlangt die Bank CHF 2 pro Monat, egal ob Kontokorrent, Sparkonto, Sparen 60+ oder Anlagesparkonto, einzig das Jugendsparkonto bleibt spesenfrei und auch das Hypothekarzins-Sparkonto führt keine Kontoführungsspesen. Ein Konto-, Posten- oder Tagesauszug per Post kostet CHF 1.20 Portospesen, ein Zahlungsauftrag ins Ausland CHF 5 pro Auftrag, ob als Papierauftrag oder als Dauerauftrag. Wer eine laufende Hypothek ablöst, zahlt CHF 250 Ablösungsgebühr, das Mieterkautionssparkonto kostet CHF 50 Eröffnungsgebühr bei laufend spesenfreier Kontoführung. Fremde Bank- und Posteinzahlungsspesen werden 1 zu 1 weiterbelastet, Saldierungsspesen fallen dagegen keine an.

Die Hypothek

Konkrete Zahlen liefert die Bank auch bei der Hypothek, was längst nicht jede Ostschweizer Regionalbank tut. Für die 1. Hypothek, den Teil bis zur üblichen Belehnungsgrenze, nennt die Website, Stand 1. Mai 2026, einen variablen Satz von 1.25 %, für die 2. Hypothek, den nachrangigen Teil, 1.75 %. Wer sich stattdessen festlegen will, findet für die Festhypothek mit Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren einen Satz ab 1.05 %. Die Bank weist selbst darauf hin, dass sich diese Sätze aufgrund von Marktveränderungen im Lauf eines Tages ändern können; wer verbindlich rechnen will, sollte vor der Zusage nochmals nachfragen. Zu Belehnung, Tragbarkeit oder Amortisation äussert sich die Website nicht, wer diese Grössen kennen will, muss das im persönlichen Gespräch klären.

Tresorfächer und ein Förderpreis mit Tradition

Neben Konten und Hypotheken vermietet die Ersparniskasse Speicher auch Tresorfächer, in 8 Grössen, von den kleinsten mit 60 x 300 x 480 mm für CHF 70 bis zu den grössten mit 608 x 600 x 480 mm für CHF 330. Ein Detail, das bei grösseren Nachbarbanken meist fehlt: Die Fächer werden noch am Schalter in Speicher verwaltet, nicht in einem zentralen Tresorzentrum irgendwo im Mittelland.

Die eigentliche Eigenheit der Bank liegt aber woanders. Seit mindestens 2009 vergibt die Ersparniskasse Speicher (EkS) jedes Jahr einen mit 5000 Franken dotierten Förderpreis an Vereine, Institutionen oder Organisationen, die sich um das Dorfleben in Speicher verdient machen, ein Motto, das die Bank an den Wahlspruch der Pfadfinder anlehnt: Aus "Jeden Tag eine gute Tat" wird bei ihr "Jedes Jahr eine gute Tat". Die Liste der Preisträger liest sich wie eine Chronik des Vereinslebens im Dorf: 2009 ging der Preis an den Skilift Blatten, 2017 an das Dorfwiki-Projekt WikiSpeicher, 2020 mitten in der Pandemie an die "Speicherer Corona-Heldinnen und -Helden", und zuletzt, 2026, an die Flickstatt. Für eine Bank mit 4 Angestellten ist das ein ungewöhnlich kontinuierliches Engagement, das über eine einmalige Spende hinausgeht und sich über weit mehr als ein Jahrzehnt zieht.

Für wen sich die Ersparniskasse Speicher eignet

Wer in Speicher oder der näheren Umgebung wohnt und eine Bank sucht, die ihre Zinssätze und Gebühren offen ausweist, statt sie erst im Beratungsgespräch zu nennen, findet hier eine der wenigen Adressen im Appenzellerland, die genau das tut. Die Kehrseite ist die Grösse: Mit 4 Mitarbeitenden und einem einzigen Standort bleibt die Ersparniskasse Speicher auf lokale Kundschaft ausgerichtet, ein digitales Hypothekenportal oder eine App wie bei grösseren Regionalbanken sucht man vergeblich, und wer ausserhalb der Öffnungszeiten unter der Woche oder samstagvormittags etwas erledigen will, hat kaum eine Alternative zum Telefon. Wer dagegen den direkten Draht zu 2 Verwaltern schätzt, die seit 1991 beziehungsweise seit 2023 im Haus sind, und eine Bank sucht, die ihre Gewinne nachweislich in die eigene Substanz statt in Dividenden steckt, bekommt mit dieser Stiftung ein Institut, das seinen dörflichen Charakter nicht nur behauptet, sondern mit dem Förderpreis Jahr für Jahr auch belegt.

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