Banque Raiffeisen de la Broye

Grand'Rue 20, 1530 Payerne · seit 1912

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Am 14. Mai 1912 versammelten sich 14 Männer aus Granges im Kanton Waadt und gründeten die Caisse de Crédit Mutuel de Granges, eine Genossenschaftskasse nach dem Vorbild der Raiffeisenbanken, sowohl in der Rechtsform als auch in der Philosophie. Aus dieser einen Gemeindekasse ist über mehr als ein Jahrhundert die Banque Raiffeisen de la Broye geworden, die heute das gesamte Broye-Gebiet zwischen Kanton Waadt und Kanton Freiburg bedient. Die Bank selbst hat ihre Geschichte in einer eigenen Chronik dokumentiert, und die Details sind konkreter, als man von einer Lokalbank erwartet: Der erste Kassierer hiess Jules Nicod und blieb bis 1917 im Amt, der Zinssatz auf Spareinlagen lag 1912 bei 4 Prozent, und die Schalter waren damals nur zwei Mal pro Woche offen, mittwochs von 13 bis 14 Uhr und samstags von 18 bis 20 Uhr. Das ist keine PR-Anekdote, sondern die Art von Detail, die eine Bank nur dann veröffentlicht, wenn sie ihre eigene Herkunft ernst nimmt.

5 Fusionen zur Bank der ganzen Broye

Was die Banque Raiffeisen de la Broye von einer x-beliebigen Lokalbank unterscheidet, ist nicht das Hypothekenangebot, das im gesamten Raiffeisen-Verbund identisch ist, sondern der Weg, auf dem sie zu ihrer heutigen Grösse kam. Zwischen 1992 und 2019 nahm die Bank in 5 dokumentierten Fusionsschritten 6 vormals eigenständige Institute auf. 1992 schloss sich die Caisse de Crédit Mutuel de Granges mit dem Crédit Mutuel des Combremonts zusammen und nahm den Namen Crédit Mutuel de la Broye an. 1994 folgte der Beitritt zum grösseren Genossenschaftsverbund der Raiffeisenbanken, gemeinsam mit 10 weiteren Waadtländer Instituten, die schon vorher nach dem Raiffeisen-Modell gearbeitet hatten, aber formell eigenständig geblieben waren. Im gleichen Jahr fusionierte das Institut mit den benachbarten Raiffeisenbanken von Surpierre und Villarzel-Seigneux. 1997 bezog die Bank ihre ersten eigenen Räumlichkeiten in Payerne, und die freiburgische Raiffeisenbank Cugy-Forel schloss sich an. 1999 kam die Raiffeisenbank Grandcour dazu. Die bislang letzte Fusion datiert von 2019, als die Banque Raiffeisen de la Broye mit der Banque Raiffeisen du District de Moudon zusammenging, was erklärt, warum Moudon heute einer von 3 Bankstandorten ist, obwohl der historische Kern der Bank im weiter westlich gelegenen Granges liegt.

2003 bezog die Bank im April neue Räumlichkeiten an der Grand-Rue 20 mitten in Payerne, die seither ihr Verwaltungssitz sind und 2011 nochmals erweitert und umgebaut wurden. 2012 feierte die Bank ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Generalversammlung am 2. Juni, zu der 1176 Personen kamen, samt Festzelt auf dem Gelände des Comptoir Broyard. 2016 wurde der Kundenbereich in Payerne umgebaut, nach mehreren Monaten Bauzeit mit einem provisorischen Bankcontainer für den Schalterbetrieb, und öffnete am 17. Oktober 2016 wieder. Zuletzt wurde 2023 das Gebäude in Granges renoviert, um Platz für die wachsende Finanzierungsabteilung zu schaffen, inklusive neu installierter Solarpanels, und die Filiale Granges-près-Marnand eröffnete nach mehrmonatigem Umbau am 1. Dezember 2025 in neuem Konzept wieder, mit automatisierten Schliessfächern und einem Bancomaten, laut eigener Angabe der Bank 19h/24 und an 365 Tagen im Jahr zugänglich, sowie einem Prema-Automaten. Die neuen Öffnungszeiten dort sind Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, ausserhalb davon nur nach Vereinbarung.

3 Standorte, ein Einzugsgebiet von rund 60 Gemeinden

Wo andere Lokalbanken sich mit einer Adresse und einer Postleitzahl begnügen, listet die Banque Raiffeisen de la Broye ihr Einzugsgebiet auf einer eigenen Seite Gemeinde für Gemeinde auf. Rund 60 Ortschaften stehen dort, von Autavaux über Chevroux, Lucens und Thierrens bis Vucherens. Bemerkenswert ist, wer sonst noch auf dieser Liste steht: Surpierre, Villarzel, Cugy FR und Grandcour, also genau jene Gemeinden, deren eigene Raiffeisenbanken zwischen 1994 und 1999 in der heutigen Bank aufgegangen sind. Auch wenn diese 4 Orte heute keinen eigenen Schalter mehr haben, unterhält die Bank dort weiterhin einen Bancomaten, in Cugy FR (Postleitzahl 1482) und in Grandcour (Postleitzahl 1543), zusätzlich zu den Automaten an den 3 bedienten Standorten. Bedient werden Kundinnen und Kunden heute persönlich an 3 Standorten: in Payerne an der Grand'Rue 20 (Postleitzahl 1530), in Granges-près-Marnand an der Route de Ménières 10 (Postleitzahl 1523) und in Moudon an der Avenue de Cerjat 2b (Postleitzahl 1510). Dazu kommen laut eigener Angabe 5 Bancomaten im gesamten Gebiet. Wer sich fragt, ob eine derart kleinteilige Fusionsgeschichte am Ende zu einer aufgeblähten Verwaltung führt, findet auf der Bank-Seite die gegenteilige Antwort: Sie beschreibt sich selbst als seit über 100 Jahren in der Region verankert und schreibt ihre Nähe zur Kundschaft nicht der Grösse, sondern der genossenschaftlichen Struktur zu.

Genossenschaft mit rund 11000 Mitgliedern

Die Banque Raiffeisen de la Broye ist innerhalb der Raiffeisen-Gruppe eine eigenständige, rechtlich selbstständige Bank, die ihren rund 11000 Sociétaires gehört, nicht externen Aktionären. Als Mitglied nimmt man an den Entscheiden der Genossenschaft teil, etwa an der Generalversammlung, und profitiert von den genossenschaftsspezifischen Vergünstigungen der Gruppe. Geleitet wird die Bank seit 1987 von Olivier Cachin, was ihn zum am längsten amtierenden Bankleiter in der Geschichte des Instituts macht, noch vor Charles Savary, der die Bank von 1960 bis 1987 führte. Vor den beiden Savarys, Marcel (1924 bis 1957) und René (1957 bis 1960), leitete Lucien Girardet das Haus von 1918 bis 1923, direkt nach dem Gründungskassierer Jules Nicod. Diese lückenlose Kette von Bankleitern über mehr als ein Jahrhundert ist auf der eigenen Website der Bank dokumentiert und liest sich eher wie ein Gemeindearchiv als wie eine Marketingseite, was für eine Bank, die für sich um Vertrauen wirbt, kein schlechtes Zeichen ist.

Das Hypothekenangebot: Standardmodelle, eigene Preisliste

Beim eigentlichen Hypothekenangebot unterscheidet sich die Banque Raiffeisen de la Broye nicht von den übrigen lokalen Raiffeisenbanken der Schweiz: Sie bietet die 3 gruppenweiten Standardmodelle an, die Festhypothek mit konstantem Zinssatz über die gesamte Laufzeit, die SARON-Hypothek (SARON Flex) mit täglich nachvollziehbaren Zinsschwankungen und der Möglichkeit einer einmaligen Umwandlung in ein anderes Modell, sowie die variable Hypothek mit direkter Amortisationsmöglichkeit. Konkrete Zinssätze, Belehnungs- oder Tragbarkeitswerte, Amortisationsfristen oder Mindesteinkommen sind auf keiner der eingesehenen Seiten der Bank als Zahl genannt, und dieser Text nennt deshalb auch keine, weil eine geschätzte Prozentzahl bei einer Hypothek keinen Nutzen hat, sondern nur ein falsches Gefühl von Präzision erzeugt. Was die Bank stattdessen offenlegt, ist die Systematik ihrer eigenen Preisgestaltung: Sie veröffentlicht eine eigene, datierte Preisliste für Dienstleistungen an Privatkunden, die aktuell mit Stand ab 1. Januar 2026 gilt, getrennt von den Preislisten für Geschäftskunden und für Anlagegeschäfte. Das ist ein Detail, das nicht jede Lokalbank bietet, und es zeigt, dass Konditionen hier nicht nur mündlich am Schalter verhandelt, sondern schriftlich dokumentiert werden, auch wenn die konkreten Hypothekarzinsen selbst wie im ganzen Verbund erst im persönlichen Gespräch offengelegt werden.

Wer in der Broye ein Eigenheim finanzieren will, kauft mit dieser Bank kein anonymes Konzernprodukt, sondern eine Institution, die aus 6 Vorgängerbanken zusammengewachsen ist und die genau weiss, in welcher der rund 60 Gemeinden ihres Gebiets sie welchen Vorläufer hatte. Ein Nachteil bleibt: Wer keinen der 3 Standorte in Payerne, Granges-près-Marnand oder Moudon in der Nähe hat, muss für ein persönliches Gespräch anreisen, denn eine reine Online-Filiale betreibt die Bank nicht. Für alle innerhalb des Einzugsgebiets ist das kaum ein Nachteil, sondern schlicht das Modell, für das sich eine Genossenschaftsbank dieser Grösse seit über 100 Jahren entschieden hat.

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